
Wer vor der Wahl Homepage-Baukasten oder Agentur steht, bekommt von Agenturen meist dieselbe Antwort: Baukästen seien langsam und für Google ungeeignet. Wir haben das im Juli 2026 nachgemessen, an 403 Websites von Betrieben in Bochum, Essen, Lünen, Herne und Castrop-Rauxel. Der Befund widerspricht der These.
Baukasten-Seiten schneiden technisch besser ab als der Durchschnitt. Zurück liegen sie bei allem, was jemand von Hand eintragen muss. Das verschiebt die Entscheidung weg vom Werkzeug und hin zu einer Frage, die Sie sich vorher stellen sollten.
Die kurze Antwort: Es hängt an einer einzigen Frage
Entscheidend ist, ob Ihre Website Anfragen bringen soll oder nur erreichbar sein muss. Für eine digitale Visitenkarte reicht ein Baukasten in fast allen Fällen aus. Sobald über die Seite Kunden kommen sollen, entscheidet nicht mehr das Werkzeug, sondern die Arbeit an Struktur, Texten und Ortsbezug. Diese Arbeit können Sie selbst übernehmen oder vergeben, aber überspringen lässt sie sich nicht.
| Ihre Situation | Empfehlung | Warum |
|---|---|---|
| Reine Erreichbarkeit | Baukasten | Adresse, Impressum und Kontakt bekommen Sie schnell und günstig online |
| Anfragen über die Seite | Agentur | Ortsbezug, Aufbau und Texte entscheiden über Anfragen, nicht die Software |
| Zeit zum Einarbeiten | Baukasten | Die Technik wird geliefert, die Vermarktung machen Sie dann selbst |
| Termine, Shop, Schnittstellen | Agentur | Sobald Abläufe an der Seite hängen, wird der Baukasten zur Grenze |
Was wir an 403 Websites im Ruhrgebiet gemessen haben
Wir haben im Juli 2026 die Startseiten von 403 lokalen Betrieben einmal abgerufen und auf objektiv prüfbare Merkmale untersucht: Verschlüsselung, Antwortzeit des Servers, Seitentitel, Überschriften, anklickbare Telefonnummer. 40 dieser Seiten liefen auf einem Baukasten, erkennbar an der Technik im ausgelieferten Quelltext. Gestaltung und Inhalte haben wir bewusst nicht bewertet, weil das keine messbare Größe ist.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Die Auswahl stammt aus offen zugänglichen Betriebsdaten und ist keine Zufallsstichprobe, und gemessen wurde nur, was der Server direkt ausliefert. Wichtig für die Einordnung der Zahlen: Die Vergleichsgruppe ist kein Feld von Agentur-Websites. Darin stecken selbst aufgesetzte Redaktionssysteme, jahrelang nicht angefasste Installationen und professionell gebaute Seiten nebeneinander.
| Merkmal | Baukasten | Zum Vergleich |
|---|---|---|
| Verschlüsselung nicht erzwungen | 0 % | andere Technik: 5 % |
| Server braucht über 2 Sekunden | 3 % | andere Technik: 12 % |
| Ortsname fehlt im Seitentitel | 73 % | andere Technik: 63 % |
| Telefonnummer nicht anklickbar | 65 % | andere Technik: 50 % |
| Keine Hauptüberschrift im Text | 30 % | andere Technik: 23 % |
Wo der Baukasten schwächelt und wo nicht
Die Technik ist nicht das Problem. Verschlüsselung, mobile Darstellung und Serverleistung liefern die Anbieter mit, und die Baukasten-Server antworteten im Mittel nach 191 Millisekunden. Wer hört, eine Baukasten-Seite sei automatisch langsam, sollte nach der Messung fragen.
Bei der Vergleichsgruppe lohnt der zweite Blick, denn sie ist kein Feld professionell gebauter Websites. Von den 44 Seiten, die länger als zwei Sekunden brauchten, liefen 37 auf WordPress, meist auf Installationen, denen man die fehlende Pflege ansieht. Seiten ohne erkennbares Redaktionssystem, also schlank oder statisch ausgelieferte, antworteten im Mittel nach 259 Millisekunden und lagen nur in 2 % der Fälle über zwei Sekunden. Langsam macht eine Website nicht, wer sie gebaut hat, sondern was mit der Zeit hineinwächst und niemand aufräumt.
Auffällig wird der Unterschied bei den Angaben, die niemand automatisch setzen kann. Ob im Seitentitel „Dachdecker Bochum" steht oder nur „Startseite", entscheidet der Betreiber. Ob die Telefonnummer als Link hinterlegt ist, den man auf dem Handy antippen kann, ebenso. Genau hier liegen die 73 % und die 65 % aus der Tabelle, und genau das kostet Anfragen von Menschen, die unterwegs suchen.
Der Grund ist naheliegend: Ein Baukasten wird meist nebenbei bedient, während im Betrieb der eigentliche Job läuft. Die Vorlage sieht nach dem Ausfüllen fertig aus, obwohl die Arbeit, die Sichtbarkeit erzeugt, noch aussteht. Was eine Website an Struktur und Ortsbezug braucht, steht in unserem Beitrag zu den Kosten einer professionellen Website.
Was beide Wege über drei Jahre kosten
Ein Baukasten kostet als Business-Tarif regulär etwa 12 € bis 33 € im Monat, über drei Jahre also rund 430 € bis 1.190 €. Eine beauftragte Website wird einmalig bezahlt, für eine schlanke Unternehmensseite beginnt das bei etwa 1.500 € je nach Umfang. Die beiden Zahlen lassen sich nicht direkt vergleichen: Das eine ist ein laufendes Abonnement, das andere ein Einmalpreis mit optionaler Pflege.
Zwei Punkte gehen in solchen Rechnungen gern unter. Erstens sind die beworbenen Einstiegspreise fast immer Aktionspreise mit Mindestlaufzeit, danach gilt der reguläre Tarif. Zweitens fehlt Ihre eigene Arbeitszeit in jeder Baukasten-Rechnung, und sie ist der größte Posten, wenn die Seite mehr können soll als erreichbar sein.
| Posten | Baukasten | Agentur |
|---|---|---|
| Erstes Jahr | oft Aktionspreis | einmalige Kosten, ab etwa 1.500 € je nach Umfang |
| Ab dem zweiten Jahr | 12 € bis 33 € im Monat | Pflege nach Aufwand oder als Paket |
| Nach drei Jahren | rund 430 € bis 1.190 € | Einmalpreis plus Pflege, dafür freie Wahl beim Umzug |
| Ihre Arbeitszeit | kommt hinzu | entfällt bis auf Abstimmung und Freigaben |
Quelle: IONOS Preisübersicht Homepage-Baukasten, Stand 07/2026
Wann ein Baukasten die richtige Wahl ist
In diesen Fällen raten wir selbst zum Baukasten, auch wenn wir damit kein Geld verdienen. Die Messung stützt das: Wer nur erreichbar sein muss, bekommt die technische Grundlage dort verlässlich und für wenig Geld.
- Sie brauchen kurzfristig eine erreichbare Adresse mit Impressum, Kontakt und Öffnungszeiten.
- Ihre Kunden kommen über Empfehlung, Ladenlauf oder Ausschreibung, nicht über die Suche.
- Sie testen eine Geschäftsidee und wollen sich nicht festlegen, solange nichts feststeht.
- Sie arbeiten sich gern selbst ein und haben regelmäßig Zeit dafür übrig.
Häufige Fragen
Die Inhalte ja, die Website selbst bei den gängigen Anbietern nicht. Vorlage, Bausteine und Hosting gehören dort zusammen und lassen sich nicht als Ganzes woanders weiterbetreiben; prüfen Sie vor dem Vertragsabschluss, was Ihr Anbieter zum Export sagt. Mitnehmen können Sie Ihre Domain, Ihre Texte und Ihre Bilder. Planen Sie deshalb für einen späteren Wechsel einen kompletten Neuaufbau ein, und sichern Sie Ihre Domain von Anfang an auf Ihren eigenen Namen, nicht auf den des Anbieters.
Nein. Google bewertet die Seite, nicht ihre Herkunft, und stellt nach eigener Dokumentation zur Nutzererfahrung den passenden Inhalt vor die technische Qualität. Eine beauftragte Website rankt besser, wenn dabei die Arbeit gemacht wurde, die Sichtbarkeit erzeugt. Wird nur ein Design umgesetzt, passiert bei den Rankings wenig.
Das hängt davon ab, wie viel Sie selbst übernehmen. Reine technische Pflege wie Aktualisierungen, Sicherung und Erreichbarkeitskontrolle bewegt sich üblicherweise im niedrigen zweistelligen Bereich pro Monat. Inhaltliche Arbeit wird nach Aufwand abgerechnet oder als festes Kontingent vereinbart. Wichtig ist, das vor der Beauftragung zu klären: Eine Website ohne Pflege verliert nach ein bis zwei Jahren spürbar an Sichtbarkeit.
Fazit: Die Frage ist nicht Baukasten oder Agentur
Entscheidend ist, wer die Arbeit übernimmt, die kein Werkzeug erledigt: Ortsbezug im Titel, ein sinnvoller Aufbau, Texte, die die Suchanfrage Ihrer Kunden treffen, und eine Telefonnummer, die man antippen kann. Bleibt diese Arbeit liegen, ändert auch die teuerste Umsetzung nichts. Wird sie gemacht, kommen Anfragen auch von einer schlichten Seite.
Unsere Empfehlung mit Bedingung: Soll die Website nur erreichbar sein, nehmen Sie einen Baukasten und investieren Sie die gesparte Zeit in Ihr Unternehmensprofil bei Google. Soll sie Anfragen bringen und haben Sie keine Zeit, sie selbst zu pflegen, lassen Sie sie bauen. Wir übernehmen das in unserer Webdesign-Entwicklung inklusive der Punkte, die in der Messung oben durchgefallen sind. Wenn Sie unsicher sind, welcher Weg zu Ihrem Betrieb passt, schreiben Sie uns kurz, wir sagen Ihnen ehrlich, ob sich eine Beauftragung für Sie überhaupt lohnt.