Ein Handwerkerportal und eine eigene Website lösen zwei verschiedene Probleme. Das Portal verkauft Ihnen den Kontakt zu Kunden, die bereits suchen, und stellt Ihnen dafür jede Anfrage erneut in Rechnung. Die eigene Website verursacht einmal Kosten und danach nichts mehr pro Anfrage — sie wirkt aber erst, wenn Kunden sie überhaupt finden. Die Entscheidung Handwerkerportal oder eigene Website ist deshalb keine Werkzeugfrage, sondern die Frage, ob Sie Anfragen mieten oder einen eigenen Kanal aufbauen.

Beides schließt sich nicht aus, und für die meisten Betriebe ist die Reihenfolge wichtiger als die Wahl. Den Ausschlag gibt ein Punkt, den weder Portalbetreiber noch Agenturen gern ansprechen: ob Ihre eigene Website überhaupt in der Lage ist, eine Anfrage entgegenzunehmen. Wir haben das im Sommer 2026 an 375 Websites von Handwerksbetrieben im Ruhrgebiet nachgemessen.
Handwerkerportal oder eigene Website: die kurze Antwort
Ob sich ein Portal rechnet, hängt an Ihrem durchschnittlichen Auftragswert. Bei einer Heizungserneuerung fällt der Preis für eine vermittelte Anfrage kaum ins Gewicht, bei einer Kleinreparatur kann er den Ertrag aufzehren. Die eigene Website dreht das Verhältnis um: Sie kostet vorab und danach je Anfrage nichts, verlangt aber Vorlauf, bis sie gefunden wird.
Wir bauen Websites und sind in dieser Frage Partei. Deshalb halten wir uns an das, was sich nachprüfen lässt: das Kostenmodell, das Eigentum am Kanal und die Frage, wer die Regeln ändern darf. Zu den bekannten Anbietern in Deutschland zählen MyHammer, Check24 Profis und Blauarbeit; die Unterschiede zwischen ihnen sind für diese Entscheidung zweitrangig.
Zwei Kostenmodelle, die sich nicht direkt vergleichen lassen
Ein Portal rechnet laufend ab — je nach Anbieter über eine Mitgliedschaft, über einen Preis je Kontakt oder über beides. Eine eigene Website wird einmal bezahlt und verursacht danach nur noch Betriebskosten für Domain, Hosting und Pflege. Die beiden Beträge nebeneinanderzustellen ergibt keinen Sinn: Der eine wächst mit jeder Anfrage, der andere steht fest.
Konkrete Preise nennen wir hier bewusst nicht. Die Konditionen ändern sich, sie unterscheiden sich je nach Gewerk und Region, und die Zahlen, die in Vergleichsartikeln kursieren, liegen um ein Vielfaches auseinander. Fragen Sie die aktuellen Konditionen beim Anbieter selbst ab, bevor Sie rechnen.
| Merkmal | Auftragsportal | Eigene Website |
|---|---|---|
| Kosten je Anfrage | fallen erneut an | keine |
| Kosten vorab | gering bis keine | einmalig für die Erstellung |
| Wirkt | ab Freischaltung | erst mit Sichtbarkeit |
| Wettbewerber im selben Fenster | ja | nein |
| Wem der Kanal gehört | dem Betreiber | Ihnen |
| Preise und Regeln bestimmt | der Betreiber | Sie |
Wann das Portal die bessere Wahl ist
In diesen Fällen raten wir zum Portal, obwohl wir daran nichts verdienen. Ein Portal wirkt sofort, und diesen Vorsprung kann keine frisch gebaute Website einholen.
- Sie starten gerade und brauchen Aufträge, bevor Sichtbarkeit entstehen kann.
- Sie haben eine Auslastungslücke und wollen sie kurzfristig füllen.
- Ihre Auftragswerte sind hoch genug, dass der Preis je Anfrage kaum ins Gewicht fällt.
- Sie wollen ein neues Gewerk oder Einzugsgebiet testen, ohne dafür etwas aufzubauen.
Was 375 Handwerker-Websites im Ruhrgebiet zeigen
Wir haben zwischen dem 31. Juli und dem 12. August 2026 die Startseiten von 375 Handwerksbetrieben in Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen und Herne einmal abgerufen und auf objektiv prüfbare Merkmale untersucht. Bei 225 Seiten (60 %) fehlte der Ortsname im Seitentitel, bei 192 (51 %) war keine anklickbare Telefonnummer im Quelltext der Startseite zu finden. Beides sind genau die Stellen, an denen eine Anfrage entsteht oder ausbleibt.
Warum das Portal diesen Vergleich oft kampflos gewinnt
Wer unterwegs auf dem Handy nach einem Dachdecker in Bochum sucht und auf einer Seite landet, die weder den Ort im Titel führt noch eine antippbare Nummer anbietet, ruft nicht an. Er geht zurück in die Suche — und dort wartet das Portal mit genau den beiden Dingen, die gerade gefehlt haben. Das Portal gewinnt in diesen Fällen nicht, weil es die bessere Lösung wäre, sondern weil auf der anderen Seite niemand abnimmt.
Zwei Einschränkungen gehören zu unseren Zahlen. Die Betriebe stammen aus offen zugänglichen Kartendaten, das ist keine Zufallsstichprobe. Und gemessen wurde nur, was der Server direkt ausliefert; belastbar ist deshalb allein die Aussage, dass ein Merkmal nicht gefunden wurde. Methodik, Grenzen und der offene Datensatz stehen in der vollständigen Erhebung zu Websites im Handwerk.
Was Ihre Website können muss, damit sie Anfragen trägt
Damit die eigene Seite ein Portal ersetzen kann, muss sie drei Dinge leisten: unter Ort und Gewerk gefunden werden, den Kontakt in einem Schritt ermöglichen und die Anfrage so aufnehmen, dass Sie damit arbeiten können. Der erste Punkt entscheidet über Sichtbarkeit, die beiden anderen darüber, ob aus einem Besuch eine Anfrage wird.
Gefunden werden heißt konkret: Gewerk und Ort stehen im Seitentitel, nicht nur „Startseite" oder der Firmenname. Dazu gehört ein gepflegtes Unternehmensprofil bei Google; welche Faktoren dort zählen und wie es mit der Website zusammenspielt, steht in unserem Beitrag zu Local SEO für kleine Unternehmen.
Kontakt in einem Schritt heißt: Die Telefonnummer ist als Link hinterlegt, sodass ein Tipp den Anruf startet. Und die Anfrage muss vollständig ankommen — mit Ort, Gewerk, Dringlichkeit und im Idealfall einem Foto. Genau hier verlieren die meisten Betriebe Zeit — beim Nachtelefonieren, was der Kunde eigentlich braucht.
Ob Ihre Seite die messbaren Punkte erfüllt, können Sie in wenigen Sekunden selbst prüfen. Unser Website-Check testet dieselben Merkmale wie die Erhebung oben, und die Checkliste für Handwerker-Websites führt sie zum Abhaken auf.
Die Reihenfolge, die wir Betrieben empfehlen
Ziehen Sie beides in Betracht, bauen Sie zuerst den Kanal auf, der Ihnen gehört, und nutzen Sie das Portal parallel als Zulauf. Der Grund ist wirtschaftlich: Solange das Portal Ihre einzige Quelle ist, bestimmt jemand anderes, was eine Anfrage kostet und ob Sie überhaupt angezeigt werden. Mit einer funktionierenden eigenen Seite bleibt das Portal eine Entscheidung, die Sie jederzeit zurücknehmen können.
Wie eine Website aussieht, die eine Anfrage nicht nur entgegennimmt, sondern sie auch sortiert, terminiert und bis zur Rechnung begleitet, zeigen wir auf unserer Seite Website für Handwerker. Bevor Sie darüber nachdenken, lassen Sie Ihre bestehende Seite durch den Website-Check laufen. Fehlen dort nur Ortsname und Telefon-Link, ist das eine Stunde Arbeit und kein Projekt. Fragen Sie uns, wenn mehr fehlt.
Was wann passt
Sie brauchen nächsten Monat Aufträge
Portal
Es wirkt sofort. Rechnen Sie den Preis je Anfrage gegen Ihren durchschnittlichen Auftragswert.
Sie wollen in zwei Jahren weniger je Anfrage zahlen
Eigene Website
Der Kanal gehört Ihnen, jede weitere Anfrage kostet nichts zusätzlich.
Beides ist finanzierbar
Website zuerst, Portal als Zulauf
So bleibt das Portal eine Entscheidung und wird nicht zur einzigen Quelle.
Häufige Fragen
Als Ergänzung ja, als Ersatz nein. Sinnvoll bleibt es, solange Ihre Website noch keine stabile Zahl an Anfragen liefert oder Sie eine Auslastungslücke füllen wollen. Prüfen Sie nach einigen Monaten, welcher Kanal wie viele Aufträge gebracht hat, und verschieben Sie das Budget entsprechend.
Nein, Bewertungen gehören zum Profil auf der jeweiligen Plattform. Sie bleiben dort, auch wenn Sie Ihre Mitgliedschaft beenden. Wer sich davon lösen will, sammelt deshalb von Anfang an parallel Bewertungen im eigenen Unternehmensprofil bei Google — dieses Profil gehört zu Ihrem Betrieb und bleibt Ihnen erhalten.
An drei Zahlen: Besucher, Anrufe und Formularanfragen pro Monat. Ohne Messung ist jede Einschätzung geraten, und viele Betriebe unterschätzen ihre Seite, weil Anrufe nirgends auftauchen. Hinterlegen Sie die Telefonnummer als Link, dann lassen sich die Klicks darauf zählen.